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Ossi - Latza - Retrospektive 2007 Das Maristenkolleg präsentierte im Juli 2007 eine Retrospektive zur Erinnerung an Ossi Latza, den 2006 verstorbenen Künstler, Kunsterzieher und langjährigen künstlerischen Beirat des Kunstvereins. Auszüge aus der von langjähriger Freundschaft und künstlerischer Seelenverwandschaft geprägten Einführung von Hans Wiedemann finden Sie hier...
Sehr geehrte Damen und Herrn, wenn ich heute die Ehre und Aufgabe habe, in sozusagen Leben und Werk von Oswald Latza einzuführen, möglicherweise Zugänge zu eröffnen, zu ge-denken, zu würdigen, so ist es gleichsam schwierig, das Objektive vom Persönlichen, von unserer langen Freundschaft von der Jugendzeit bis zum immer zu frühen Tod, vielleicht auch Seelenverwandtschaft - zu trennen. Nehmen Sie daher meine Ausführungen schlicht als Versuch einer ganz individuellen Laudatio, gefärbt durch meine erfahrenen Begegnungen und Erinnerungen daran. (...) Die meisten von Ihnen kannten ja Ossi Latza persönlich und jeder hat seine Bilder der Erinnerung an seine Persönlichkeit in sich. (...) Da ist in den 60er Jahren Ossis Schulzeit hier am Maristenkolleg die prägende Erfahrung einer Lehrerpersönlichkeit, die aufzuzeigen vermochte, dass unsere sinnlich erfahrbare Außenwelt und unsere menschliche Innen-Welt Wertigkeiten in sich birgt, nicht in Begriffen fassbar, die aber bildlich mitteilbar sind, einer Lehrerpersönlichkeit, die zu sensibilisieren vermochte, die Empfindungsfähigkeiten in den Schülern förderte, Empfindungen nicht nur auf den Bereich der Kunst, sondern auf den Menschen in seiner Ganzheit bezogen und dem vorherrschenden logisch-rationalen Richtig-Falsch-Denken das bildhafte, anschauliche Denken gegenüber und dazu stellte. Den Namen der Lehrerpersönlichkeit erahnten Sie schon: Erwin Holzbaur. Da ist der Versuch der Kriegsdienstverweigerung aus der Erfahrung des in sich inhumanen Militärischen, des Ausschließens von Gewalt als Mittel von Konfliktlösung als Gewissensentscheidung. Da ist im Studium an den Kunstakademien in Stuttgart und München die intensive Auseinandersetzung mit den ideologiekritischen Ansätzen der schon zum historischen Begriff gewordenen Zeit nach 1968 - und der auch damit zusammenhängenden Innovationen in der Kunstpädagogik - Stichwort: Visuelle Kommunikation. Da ist die Standfestigkeit zur eigenen Lebensperspektive und Sinnantwort gegenüber den Anstellungsbedingungen des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, was zur Folge hatte, dass Ossi nach dem 2. Staatsexamen als Sozialpädagoge in München tätig war. Und da ist die Berufung durch Herrn Erwin Holzbaur als Kunsterzieher an das Maristenkolleg und die (Zitat Erwin Holzbaur in der MZ vom 12. August 1987) „blendende Zusammenarbeit" - der beiden - nun - Kollegen, die in den 60er Jahren sich als Lehrer und Schüler begegneten. Unterricht - und insbesondere der Kunstunterricht - ist die lebendigste und vielschichtigste Form des Dialogs , denn er bezieht sich nicht nur auf das gesprochene und geschriebene Wort, sondern auch auf die vielfältigen Formen des Bildes mit seinen eigenen Gestaltgesetzlichkeiten und geistigen Verarbeitungsformen, wie uns auch die Gehirnforschung der letzten Jahre uns wissenschaftlich aufzuzeigen vermag. Es geht um die Entwicklung des bildhaften Wissens - wie Prof. Ernst Pöppel es bezeichnet - dessen Entwicklung im Bildungskanon der Schule sträflich vernachlässigt wird. Wir brauchen nur die Stundentafel der Schularten zu betrachten - 45 Minuten pro Woche in der Mittelstufe z.B. … Dabei tönt aus allen Richtungen - vom Handwerk bis zur Universität - die Dringlichkeit der Förderung von Phantasie und Kreativität in den allgemeinbildenden Schulen, um jungen Menschen eine Basis für Ihre berufliche Ausbildung mitzugeben. Für Ossi Latza stand der Kunsterzieher samt künstlerischer Praxis im Mittelpunkt. Aus tiefem christlichen und humanistischen Weltbild heraus war seine berufliche und private Tätigkeit vom Stützen, Unterstützen, Helfen bestimmt: Junge Menschen zu begleiten und zu ermutigen in ihrer Sinnsuche, in der Erweiterung ihres Horizonts, im Entwickeln ihrer Fähigkeiten der Wahrnehmung und Gestaltung, dem bildhaften oder anschaulichen Denken mit dem Ziel der freien Selbstfindung und Selbstbestimmung. Nicht missionarischer Blindeifer oder Berufungseuphorismus waren seine Triebfedern, sondern die Liebe zum Menschen, das Begleiten-dürfen, das Aufzeigen-können, das Sehen-lernen-lehren. Lehrer, kein Belehrer. Ossi, nicht der Wissenseintrichterer und kultusadministrativ vergatterte Lehrplanvollstrecker, sondern der behutsam der Jugend Erfahrungen Ermöglichende, die zu einer lebens-und daseinsbejahenden Basis der Persönlichkeitsbildung führen. Begeisterung auslösend, Wege aufzeigend und Reflexionen vernetzend. (...) Der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746 - 1827) formulierte den ganzheitlichen Bildungsansatz mit der Einheit von Kopf, Herz und Hand. Pestalozzis pädagogisches Ziel war es,-„den Menschen zu stärken" und ihn dahin zu bringen, „sich selbst helfen zu können". Ossi hatte Pestalozzi nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht und unterrichtlich umgesetzt. Der Kunsterzieher und Künstler. Meist steht ein oder zwischen beiden Worten. Aus der Untrennbarkeit von kunstpädagogischem und kunstpraktischem Handeln heraus ergeben sich die Themenkreise, die Ossi in der Bildsprache des Holzschnitts, meist mehrfarbig, umgesetzt hat und erfahrbar werden lassen, dass Kunsterziehung im so umrissenen Konzept immer auch Friedenserziehung und Menschenbildung ist, z.B. die Bildübersetzungen des Canto general, jenes „Großen Gesangs" des chilenischen Dichters Pablo Neruda, ein Gedichtzyklus über den Kampf Lateinamerikas gegen den Kolonialismus. (...) Nach Josef Beuys sind für das künstlerische Schaffen zwei Faktoren bedeutsam: „Kunst kommt von Kunde, man muss etwas zu sagen haben, auf der anderen Seite aber auch von Können, man muss es auch sagen können." Bei Ossi Latza ist die Kunde nicht nur oberflächliche Kenntnis, sondern ganzheitliche Betroffenheit, bezogen auf unsere menschliche Existenz. In Stichworten: Die gewaltlose Befreiung des Menschen zu sich selbst hin, heraus aus der Unterdrückung, den Zwängen, dem Sinnleeren, dem Oberflächlichen, dem Fremdbestimmten -hin zur Sinnstiftung, zum Sinn, zur selbstbestimmten Freiheit in eigener Verantwortung. Entsprechende Betroffenheit spricht aus den Themenblättern 11. September zu jenem Ereignis, das einen ähnlichen Verpuffungsgrad der menschlichen und gesamtgesellschaftlichen Reflexionsbereitschaft aufweist wie die Tschernobyl-Katastrophe. Oder Carmina Burana (...), den meisten von Ihnen wohlbekannt in der musikalischen Fassung vonCarl Orff ( 1935/36). Als großes Symbol steht über dem ganzen Werk das Glücksrad der Fortuna, der römischen Glücks- und Schicksalsgöttin. Das scheinbar ewige Kreisen der Welt zwischen Glück und Unglück, Aufstieg und Niedergang, Höhen und Tiefen im Symbol des Rades verbildlicht und die Grundkonstellation unseres Daseins bezeichnend. Aus der Betroffenheit heraus, der Kunde, der eigenen Erfahrungen heraus formuliert Ossi in der Bildsprache des Holzschnitts seine Carmina Burana. In dieser Thematik begegnen wir wieder der schon angesprochenen Einheit in der Person von Kunsterzieher und Künstler: Mit seinen Schülern gestaltete er auch im Kunstunterricht Tonreliefs zu den „Beurer Liedern".
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Ossi Latza: Thymus vulgaris |
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