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06.05. - 27.06.2010

Georg Schwank & Zeitgenossen

Ausstellungshalle der Mindelheimer Museen

Täglich außer Montag 10 - 12 Uhr und 14 - 17 Uhr

 

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Führungen

Offene Führungen

Katalog

Melchior W. Mittl

 

 

 

 

Der Grafiker, Verleger und Maler Melchior W. Mittl, 1902 in Babenhausen geboren, führte mit seiner Frau Mathilde, geb. Boneberger, ein Lebensmittelgeschäft im erst jüngst abgebrochenen Gebäudekomplex der ehemaligen Zigarrenfabrik und Gemischtwarenhandlung Aloys Boneberger in der Frundsbergstraße. Nur „Eingeweihte“ wussten – so erinnert sich Erwin Holzbaur – mehr über Mittl, der gelernter Schriftsetzer und Buchdrucker war, bei dem bekanten Offenbacher Schriftkünstler und Grafiker Professor Rudolph Koch studiert und 1929, 1932 bis 1934 und 1937/38 mehrere Jahre in Chicago (USA) unter anderem mit einem Lehrauftrag für Typografie verbracht hatte. Er gehörte dem American Institute of Graphic Arts in New York und der Society of Typographic Arts in Chicago an. Das Heimweh führte die Mittls – so Erwin Holzbaurs Erinnerungen – nach Mindelheim zurück. Die im Nationalsozialismus herrschende Kunstpolitik zwang Mittl in die „innere Emigration“. Nach dem Krieg gründete der wegen seiner Sprachkenntnisse als Dolmetscher und Verhandlungspartner der Amerikaner gefragte und kurz als Fachlehrer an der Berufschule tätige Mittl - inspiriert durch seinen Vornamen - die Drei König Presse (für den angloamerikanischen Raum Three Kings Press). Als Setzer, Buchgestalter, Drucker und Verleger in einer Person schuf er ab 1955 exquisite Buchausgaben und Einzelblätter in Kleinstauflage, die im internationalen Kreis der Sammler bibliophiler Druckwerke regen Anklang fanden. Zur Illustration der Bücher arbeitete er mit heimischen Künstlern wie seinem „Druckselfreund“ Erwin Holzbaur und Otto Epple, aber auch mit Druckgrafikern wie Bele Bachem, O. W. Leuenberger, Willi Dirx, Milan Kerac, Hans Joachim Behrend, Peter von Lehmden, Rosemarie Beck und Wilhelm Neufeld, der auch das Signet mit den drei Kronen schuf, zusammen. Von Anfang an war Mittls Edition auf Ausgefallenes, Vergessenes und Besonderes bedacht. So druckte er neben Werken von Ovid, Augustinus, Matthias Claudius, William Shakespeare, J. W. v. Goethe, F. Schiller, Heinrich Kleist, Friedrich Hölderlin, Jean Paul, Oscar Wilde, Franz Kafka, Gottfried Benn, Walt Whitman u. v. a., das mit zwei Holzschnitten von Erwin Holzbaur illustrierte 14. Kapitel des Matthäusevangeliums, die „31 Artikel des Liebeskodex des 15. Jahrhunderts“, von Otto Epple illustrierte Texte des Abraham a Santa Clara sowie Roman- und Gedichtausgaben von Arthur Maximilian Miller. Eine Ausstellung im Gutenberg-Museum Mainz, die Korrespondenz mit dem bekannten englischen Typographen Stanley Morrison und ein Aufsatz in der von Curt Visel herausgegebenen Zeitschrift Illustration 63 (Heft 3/1974) unterstreichen die Bedeutung des Werks Mittls. In ihrer Dissertation (Univ. Gießen 2002) über das Werk Wilhelm Neufelds stellt Alice Selinger den Mindelheimer Melchior W. Mittl als einen der bedeutendsten deutschen Pressendrucker der Nachkriegszeit vor. Melchior W. Mittl, der auch als Maler und Zeichner begabt war, stellte 1971 und 1974 in der Mindelheimer Sparkassen-Galerie Landschaftsdarstellungen und einige bemerkenswerte „von meinem geliebten Kubismus“ (Zit. Karte an E. Holzbaur) inspirierte abstrakte Grafiken aus. Nach dem Tod seiner Frau 1974 wurde es stiller um ihn. Er starb 1977 in Mindelheim. Kirchgänger können mit dem Spruchband am Prospekt der Orgel in der Pfarrkirche St. Stephan bis heute ein Werk Mittls in Augenschein nehmen.

 

 

Ausgestellt werden Werke von

 

Georg Schwank (1910 – 1985)

Pepi Huith (1877 – 1922)

Wilhelm Stölzle (1881 – 1947)

Franz Bollhagen (1881 – 1971)

Ernst Holzbaur (1884 – 1961)

Max Beringer (1886 – 1961)

Josef J. Jaschke (1887 – 1972)

Eugen Bauer (1889 – 1988)

Eduard Bechteler (1890 – 1983)

Sepp Hartmann (1899 – 1987)

Leo Rittig (1900 – 1985)

Ludwig Schäfferling (1901 – 1984)

Arthur M. Miller (1901 – 1992)

Otto Epple (1901 – 1993)

Melchior W. Mittl (1902 – 1977)

Robert M. Miller (1904 – 1991)

Max Lacher (1905 – 1988)

Ottmar Paul (1909 – 1969)

Andreas Sammet (1909 – 2009)

Bruno Watzal (1917 – 2002)

Hilda Sandtner (1919 – 2006)

Gertrud Drexel (1927 – 2002)

Erwin Holzbaur (* 1927)

Albert Schwank (1929 – 2002)

Paul Wiedemann (1927 - 2003)

Sigrid A. Dietz (* 1932)

Hubert Schwank (* 1941)

Edith Friedel (* 1934)

Georg Bayer (*1935)

Armin Klughammer (* 1936)

Gerhard Schröder (* 1938)

Eike H. Kinast (1939 – 2003)

Burgi Kiermeir (1942 – 1969)

Ossi Latza (1948 – 2006)